Firenzuola
Barberino
Borgo San Lorenzo
Marradi
Loiano
Castel del Rio
Vicchio
Castiglion dei Pepoli
Monghidoro
Palazzuolo sul Senio
Scarperia
San Piero a Sieve
Vergato
 

FIRENZUOLA
Der zwischen dem Fluss Santerno und dem Monte Colereta gelegene Ort, auch “Klein-Florenz” genannt, wurde am 9. April 1332 gegründet, um die Kontrolle über die Transportwege und die Sicherheit des Handelsverkehrs zu gewährleisten. Mehrmals belagerten und zerstörten die Ubaldini das Städtchen, das sie 1342 und 1351 mit Feuer und Schwert verwüsteten. Um den Expansionsbestrebungen der Visconti einen Riegel vorzuschieben, ergriff die Florentinische Republik Schutzmaßnahmen, indem sie die Stadt mit einem starken Mauergürtel umgab und 1373 mit dem Bau der Rocca di Firenzuola begann, der fast zwanzig Jahre in Anspruch nahm. Lorenzo il Magnifico beschloss jedoch 1488, das gesamte Verteidigungssystem der Stadt zu modernisieren. Mit dem Projekt wurde Antonio da Sangallo il Vecchio beauftragt, der den Mauerring verstärkte und mit Eckbastionen, internen Wehrgängen und Böschungen ausstattete. Im Bereich des Burggrabens hat man das eindrucksvolle Museo della Pietra Serena eingerichtet. Die für die neuen florentinischen Ländereien typische städtebauliche Anlage hat sich unverändert erhalten: eine Hauptstraße mit je einem Stadttor an den Endpunkten und ein zentraler Platz mit der Festung und der Propstei. Zauberhaft ist auch die Umgebung, etwa die Kirche von Cornacchiaia aus karolingischer Epoche oder die Badia di Moscheta, eine Perle in einer herrlichen Naturkulisse und Ausgangspunkt für Exkursionen zu Fuß und zu Pferd. In Bruscoli lohnt der Besuch einer permanenten Ausstellung mit Lehrcharakter, die archäologische Funde der Ausgrabungskampagnen entlang der antiken gepflasterten Straßen und in den Ruinen der mittelalterlichen Burg der Grafen Alberti umfasst. Je eine Abteilung ist den Sitten und Gebräuchen der Bauernkultur und der Gotenstellung (Grüne Linie) vorbehalten.

BARBERINO
Das Städtchen ist zwar modern, besitzt aber eine geschichtsträchtige Vergangenheit und einige Bauwerke von großem Interesse. Der Ortsname Barberino geht aus dem Wappen der Familie Cattani aus Combiate hervor, die im Mittelalter hier in strategischer Lage eine Burg errichtet hatte, um von der Höhe eines Hügels das Stura- und Loratal überblicken zu können. Das Wappen ist in einen Architrav der Burg gemeißelt und stellt einen Menschenkopf mit drei Bärten dar. Im Jahr 1313 erwarb die florentinische Republik von den Cattani und vom Bischof die Rechte über Barberino und entsandte ihre eigenen Vertretungen an diesen Ort. Aber bereits einige Jahre später zerstörten die Florentiner selbst die Burg, nachdem Niccolò da Barberino trotz seiner Abmachung mit Florenz den feindlichen Truppen des Giovanni Visconti seine Tore geöffnet hatte. Damals bot der Großgrundbesitzer den von Giovanni Oleggio angeführten Milizen Schutz und Asyl, sodass sie von dort aus erfolgreiche Angriffe auf Latera, Villanova und Galliano ausüben konnten. Heute sind in Barberino sehenswert: der Palazzo Pretorio aus dem 15. Jahrhundert, der Uhrturm und die Medici-Loggia mit dem Portikus von Michelozzo aus dem 16. Jahrhundert. In der Umgebung, die Badia Santa Maria a Vigesimo und die Villa delle Maschere, die zur Zeit restauriert wird, nicht zu vergessen die Villa di Cafaggiolo (foto di Cafaggiolo, vedi San Piero) und San Piero a Sieve. Nicht weit entfernt der Lago di Bilancino, ein Stausee, von dem schon 1857 die Rede war. Heute ist das Wasserreservoir, das durch den 710 Meter langen und bis 42 Meter hohen Damm zurückgehalten wird, zu einer regelrechten Touristenattraktion geworden

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BORGO SAN LORENZO
Das größte Landwirtschafts- und Industriezentrum der Region wurde 1290 von Florenz erobert. Noch älter ist die romanische Pieve di San Lorenzo (foto Pieve San Lorenzo), die auf das 12. Jahrhundert zurückgeht und mit ihrem sechseckigen Glockenturm die von Galileo Chini ausgemalte Apsis und den mittelalterlichen Ortskern mit seinen engen gewundenen Sträßchen überragt. In der Kirche die Madonna del Cardellino, ein Werk des Maestro delle Madonne aus dem 16. Jahrhundert. Die Villa Pecori Giraldi (foto Villa Pecori Giraldi) beherbergt unter anderem das Museo della Manifattura Chini mit Werken einer genialen Künstlerfamilie, die in dieser Gegend viele Zeugnisse ihres Schaffens hinterlassen hat. In der Umgebung, ein Stück hinter dem alten Franziskanerkloster, die romanische Kirche San Giovanni Maggiore mit einem beachtlichen achteckigen Glockenturm aus dem 11. Jahrhundert. Ein schöner Ausflug führt bis nach Sagginale und zur Pieve di San Cresci a Valcava, eine uralte Landpfarre aus dem 9. Jahrhundert.

MARRADI
“ Obwohl es keine Mauern hat, sind der Fluss, die Berge und die Bewohner seine Stärke, weil die Menschen hier kampfbereit und treu sind” so schrieb Nicolò Machiavelli in seinen Istorie Fiorentine. Der für Schmiedeeisen und Maronen bekannte Ort, ein ehemaliger Lehnbesitz der Grafen Guidi, der 1428 von Florenz erobert wurde, ist an den Namen des Dichters Dino Campana (foto Dino Campana) geknüpft, der hier 1885 geboren wurde. In den Räumen des Centro Studi Campaniani ist eine permanente bibliographische Ausstellung zu sehen, in der die verschiedenen Ausgaben seiner Werke, Zeitschriften und Zeitungen mit Erstausgaben und Kritiken, Dokumente aus dem Gemeindearchiv und Bildmaterial zu sehen sind. Bedeutende Bauwerke: der Palazzo del Comune (Rathaus), die Chiesa del Suffragio und das Teatro degli Animosi. Auf die Zeit der Feudalherrschaft geht die romanische Abtei Santa Reparata (1050) zurück. Im Inneren des Klosters Gemälde des Maestro da Marradi aus der Schule Ghirlandaios.

LOIANO
Der Ort ist hauptsächlich bekannt wegen der Sternwarte der Universität Bologna mit hervorragenden Strukturen, wo man durch starke Fernrohre das Himmelsgewölbe beobachten kann. Aber in Loiano sind auch beachtliche historische Spuren verblieben, wie die von den Augustinern errichtete Kirche San Giacomo e Santa Margherita aus dem 14. Jahrhundert.

 

 



CASTEL DEL RIO
Die Bewohner nennen sich “Alidosiani”, da der Ort aus dem Besitz der Markgräfin Mathilde von Canossa an die Familie Alidosi überging, die ihn im Laufe der Zeit mit wichtigen Bauwerken ausstattete. Das Hauptgebäude ist der so genannte Palazzo degli Alidosi, in dem ein Kriegsmuseum untergebracht ist. Den gleichen Namen trägt aber auch die Eselsrückenbrücke aus dem 15. Jahrhundert, die ein wenig außerhalb des Ortes den Fluss Santerno überquert.




CASTIGLION DEI PEPOLI
Der Ort liegt mitten im höheren Bergland dieser Gegend, doch befinden sich die interessanteren Sehenswürdigkeiten am Rand der Ortschaft. In Baragazza liegt das Santuario della Madonna di Bocca di Rio. Diese Marienwallfahrtsstätte entstand an der Stelle, wo der Legende nach am 16. Juli 1480 den beiden Hirtenkindern Cornelia Evangelisti und Donato Nuttini die Jungfrau Maria erschien und sie bat, ihr zu Ehren hier im Wald eine Kirche zu errichten. Die Tatsache, dass die Wallfahrtskirche keinen Glockenturm besitzt, erklärt die Überlieferung damit, dass jedes Mal wenn die Glocken gegossen wurden, diese unmittelbar darauf verschwunden sind. Nicht weit vom Ort entfernt liegt der Lago Brasimone, der 1911 mit einem 32 Meter hohen Deich über dem gleichnamigen Fluss angelegt wurde. Auf diesem See kann man fischen und Wassersport betreiben, und ein kleines Museumszentrum gibt Auskunft über Energie- und Umweltfragen.

MONGHIDORO
In alten Zeiten hieß der Ort Scaricalasino, und zwar aus einem ganz einfachen Grund. Hier, an der päpstlichen Zollstation zwischen der Toskana und Emilia, mussten zur Kontrolle der Fracht die Esel entladen werden. Außer dem kleinen Hauptplatz ist in Campeggio die Marienkirche Madonna dei Boschi aus dem Jahr 1680 sehenswert. Das dort bewahrte Marienbild Madonna di San Luca wird alljährlich bei einem Bittgang in die Pfarrkirche getragen. In der Umgebung liegt Vergiano mit einer alten Kirche, Sant’Alessandro, und einigen Häusern aus dem 16. Jahrhundert.

 


 

PALAZZUOLO SUL SENIO
Aus dem ehemaligen Lehnbesitz der Familie Ubaldini ist der Palazzo dei Capitani aus dem 14. Jahrhundert erhalten. Berühmtheit erlangte das Gebäude, da es 1506 Papst Julius’ II. Aufnahme bot, als er auf dem Weg nach Bologna, das er für die von den Venezianern unterstützten Bentivoglio zurückerobern wollte, in Begleitung von Nicolò Machiavelli und seinen Milizen die Ländereien der florentinischen Signoria durchquerte. Der Palast beherbergt das Museo delle Genti di Montagna (Museum der Bergbewohner) und das Museo Archeologico dell’Alto Mugello. In der Umgebung, die Badia di Susinana aus dem 14. Jahrhundert und die Pieve di Misileo, die im 18. Jahrhundert zwar neu erbaut wurde, jedoch von der alten Landpfarre noch die ursprüngliche romanische Krypta bewahrt.

SCARPERIA
Es ist dies eines der größeren Städtchen dieser Gegend, das 1306 von der florentinischen Republik gegründet wurde, um sich der Feudalherrschaft der Familie Ubaldini zu widersetzen. Scarperia ist berühmt wegen seiner jahrhundertealten handwerklichen Messerproduktion: Klingen, Messer, Scheren und Eisenwaren. Eine Tradition, die im Museo dei Ferri Taglienti fortlebt, aber auch in den zahlreichen Fabriken, die noch in Betrieb sind und besichtigt werden können. Das interessanteste Monument ist zweifellos der Palazzo Pretorio, ein Gebäude des toskanischen Trecento, das die Florentiner errichten ließen und 1415 dann Vikariatssitz des Mugello wurde. Der Außenbau, der das Zentrum des noch von alten Mauern umgebenen Ortes überragt, erinnert an den Palazzo Vecchio in Florenz. Beachtenswert die Wappen an der Fassade und die Fresken, mit denen die Vorhalle und die Säle im Obergeschoss geschmückt sind. Unter den Werken eine Madonna mit Kind und Heiligen, Ghirlandaio zugeschrieben. Auf der gegenüber liegenden Seite des Platzes, die Propositura dei Santi Jacopo e Filippo, die ehemalige Propstei mit neugotischer Fassade, die ein marmornes Tondo von Benedetto da Maiano und einen Tabernakel von Mino da Fiesole bewahrt. Ebenfalls erwähnenswert: das Oratorio della Madonna di Piazza mit einem Tabernakel von Della Robbia, der eine Madonna mit Kind von Taddeo Gaddi einrahmt, und das Oratorio della Madonna dei Terremoti mit einem berühmten Fresko von Filippo Lippi. In der Umgebung, die romanische Pieve di Sant’Agata, eine Landpfarre mit einem Tabernakel von Della Robbia. Nach so viel Geschichte nun ein Sprung in unsere Zeit. Unmittelbar vor den Toren der Stadt verläuft die Internationale Autorennbahn des Mugello, eine moderne Rennfahrerstrecke, auf der auch Weltmeisterschaften ausgetragen werden.

SAN PIERO A SIEVE
Der Ort entstand als wichtiger Verkehrsknotenpunkt an der antiken Sieve-Brücke, wo die Straße anschließend über den Giogo-Pass bis nach Bologna führte. Damals gab es nur diese eine Verbindung. Dies fiel auch der florentinischen Republik auf, die 1372 ein neues Projekt finanzierte, nachdem sie die strategische Rolle der Brücke erkannt hatte. So beschloss man einen neuen Brückenbau aus Mauerwerk, der die alte aus Stein und Holz ersetzte. Aber in San Piero gibt es noch mehr zu sehen. Die Pieve di San Pietro ist eine der ältesten Landpfarren, wenn nicht die älteste, im Mugello, die bereits in einer Urkunde des Jahres 1018 erwähnt wird. Auch heute noch sind trotz der Umgestaltung einiger Gebäudeteile die Baumodule der Romanik zu erkennen, ein Baustil, der im 11. und 12. Jahrhundert in weiten Teilen der florentinischen Grafschaft vorherrschte. Genau gegenüber befindet sich an der Stelle, wo bis 1275 das antike Hospital in Betrieb war, des Oratorio della Compagnia. Insgesamt stand die Entwicklung des mittelalterlichen Ortes, der den Ubaldini gehörte, jedoch unter dem Diktat der Medici, die bedeutsame Spuren im Territorium hinterließen, wie das Kloster Bosco ai Fratidas mitten in einem Eichen- und Buchenwald liegt. Cosimo de’ Medici beauftragte 1420 Michelozzo Michelozzi mit der Umgestaltung des Komplexes; im Inneren wird unter anderem eine Christusfigur aus Holz bewahrt, die heute einstimmig Donatello zugeschrieben wird.
Nicht weit entfernt befindet sich herrliche Villa di Cafaggiolo, die 1451 ebenfalls von Michelozzo entworfen wurde – ein imposanter und vielgliedriger Komplex. Kurios mag sein, dass einige Gebäudeteile in der Gemeinde San Piero a Sieve liegen, andere in der Gemeinde Barberino.
Auf einem benachbarten Hügel, den man zu Fuß erreicht, liegt, umgeben von Buchen und Eichen, der Castello del Trebbio, die von 1427 bis 1436 gebaut wurde und die gesamte Gegend überschaut. In dieser Lieblingsvilla der Mediceerfamilie hatte der berühmte Söldnerführer Giovanni dalle Bande Nere mit seiner Frau Maria Salvati lange Zeit gewohnt.
Die von einer Anhöhe den Ort überragende Festung San Martino, die von Buontalenti für Cosimo I. de’ Medici entworfen wurde, rundet das Stadtbild ab. .

VERGATO
Wir befinden uns im Bologneser Apennin in diesem Städtchen, wo vor allem das wappengeschmückte Rathaus aus dem 15. Jahrhundert sehenswert ist, der Palazzo dei Capitani, der nach dem Sitz der Capitani della Montagna benannt ist. In der Umgebung, Calvenzano, ein ehemaliger Besitz der Markgräfin Mathilde von Canossa, mit der bereits im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnten Kirche Sant’Apollinare. Einen sehr ungewöhnlichen und fast bizarren Anblick bietet unmittelbar hinter der Brücke von Riola die Rocchetta Mattei (foto Vergato Rocchetta), eine Burg in echt arabisch-maurischem Stil. Im Ort Riola befindet sich ein Juwel der modernen Architektur: die Kirche Santa Maria Assunta, die der finnische Architekt Alvar Aalto entwarf.

VICCHIO
Das mitten in einer sanften Hügellandschaft gelegene Vicchio ist bekanntlich der Geburtsort von Giotto und Beato Angelico. Heute ist man sich sicher: Giotto kam hier auf dem Hügel von Vespignano in einer Bauernfamilie zur Welt, wo sein Geburtshaus (foto casa Giotto Vicchio) jedes Jahr zahlreiche Besucher anzieht. Beato Angelico wurde dagegen in dem kleinen Nachbarort San Michele a Rupecanina geboren. Eigentlich hieß er Guido di Piero Tosini. Als Mönch nahm er den Namen Fra Giovanni an, doch ist er allgemein als Beato Angelico bekannt, weil seine Kunst in höchstem Maß als göttlich, ja „engelhaft“ galt. Das neue Museo di Arte Sacra e Religiosità Popolare Beato Angelico (Sakrale Kunst und Volksfrömmigkeit) ist natürlich diesem Künstler gewidmet. Von der mittelalterlichen Festung sind Mauerreste und ein Turm, die Torre dei Cerchiai, erhalten. Im Zentrum sind das Haus von Benvenuto Cellini und das Oratorio della Misericordia aus dem 18. Jahrhundert sehenswert. Die bedeutenden etruskischen Ausgrabungen des Poggio Colla, die von mehreren amerikanischen Universitäten durchgeführt wurden, können während der Grabungskampagnen in den Monaten Juni und Juli besichtigt werden. In der kleinen Ortschaft Barbiana lebte und wirkte als Pfarrer Don Lorenzo Milani, ein feinfühliger Intellektueller, der sich mit Erziehungsfragen befasste und sich für den kulturellen Fortschritt der weniger wohlhabenden Gesellschaftsschichten einsetzte. Interessant ist die Brücke ein wenig außerhalb des Ortes, Ponte della Ragnaia, auch Ponte di Cimabue genannt, weil der Überlieferung nach auf dieser Brücke die berühmte Begegnung zwischen den beiden Meistern –Cimabue und Giotto - stattgefunden hat.